Nies, Karin

 

Trovi Zyklus | Unikat LW | 90cm x 90cm

Trovi Zyklus | Unikat LW | 90cm x 90cm

In der Natur, ja im ganzen Universum, gibt es sie nicht – die Linie. Sie ist eine Jahrtausende alte Erfindung des Menschen. Dieses für sich abstrakte und unbedeutende Ding entwickelt erst durch seine Formgebung,

seine Ausrichtung, aber auch durch seine Anzahl seinen wahren Gehalt, wird erst in seinem Kontex bildhaft und deutbar. Für Karin Nies ist die Linie, der Strich, die Spielregel. Auf sie zu setzen – der Anreiz. So zeigt die Ahlener Künstlerin mit ihren schwarz – weißen Aktzeichnungen eigenwillige Interpretationen des menschlichen Körpers. Ihre Striche und Flächen sind feine, leicht zerreißbare Gespinste, sie lassen das, was sie beschreiben, zerbrechlich, schemenhaft, halbwirklich – kurz: vergänglich erscheinen.

Unter Verwendung unterschiedlicher Zeichenmittel nähert sie sich den Figuren. Sie definiert partiell exakt, um im nächsten Moment mit bloßer Vermutung zu spielen.  Bereits Gezeichnetes wird wieder übermalt, doch nie ganz revidiert. Ihre inszenierten Körper lässt Karin Nies vor unseren Augen paradieren – und in den Unglücksfällen sogar zugrunde gehen. Der nicht räumlich definierte Hintergrund ist ihnen ebenbürtig, fließt in sie hinein, verschmilzt mit ihnen. Gliedmaßen scheinen sich aufzulösen. Schraffuren, zunächst diszipliniert durchgeführt, verwandeln sich in aggressive Formulierungen. Licht und Schatten entziehen sich einer fotografischen Definition. In ihren Collagen überklebt sie Körperpartien mit schwarzer Pappe, um dann weiß auf schwarz weiter zu zeichnen. Umkehrung ist ein Baustein und kein Widerspruch, Irritation absichtlich. Karin Nies vergleicht das Leben mit einem Labyrinth in dem wir umherirren, ohne der Wahrheit ansichtig zu werden. Für sie geht die Verlockung vom Prozesshaften aus. Sie beschwört den Vorgang der Gestaltfindung immer wieder aufs Neue. Sie ist Skeptikerin, die arbeitet, ihre Pflicht tut und mit „ihren Pfunden“ zu unseren Gunsten wuchert. Mit ihren eremitischen Figuren, vor allem mit ihren bizarren Silhouetten, hat sie Wesen ausgebrütet, die mitunter in die Nähe von Skurrilität gelangen.

Finden – trovi – ist der Impuls, auf den sich auch der Betrachter einlassen muss, um zwischen Linienbündeln und den wie sorglos hingegossenen Flächen die Körper zu deuten.

Verfasser: Dr. Franz Josef Kosel

1974 Studium der Visuellen Kommunikation / Grafik – Design an der Fachhochschule in Münster Malerei und Zeichnung bei Griepentrog und E. B. Hartwig

1981 Abschluss als Diplom – Designerin

ab 1981 Museumstätigkeit im Freilichtmuseum Münster, Arbeit als wissenschaftliche Zeichnerin für das  Museum für Archäologie Münster, als Grafikerin und Auftragszeichnerin

ab 2000 fast ausschließliche Hinwendung zur freien Malerei und Zeichnung

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