Vidal, Aaron

 

Aaron Vidal | One Day under the sun | 140cm x 110cm

Aaron Vidal | One Day under the sun | 140cm x 110cm

Der auf Teneriffa geborene Spanier, der in Barcelona Malerei studiert hat, lebt in Hamburg. Das Zeigen „typisch“ spanischer Elemente

ist eher untypisch für ihn. Seine Bilder, aufgebaut aus Fotografien und Bildmaterial der 1960er Jahre in Europa und Amerika, spiegeln diese Zeit wieder, überlagern Schicht um Schicht, erzählen von einer Welt, die sich dazwischen zu Geschichten spinnt. Aaron Vidals Bilder, die er als Collagen zunächst auf Papier zusammensetzt, um sie dann im ersten Schritt schwarz-weiß lasierend, beinahe wie Grisaille-Malerei, auf die Leinwand zu bringen, sind ausgeprägt sorgfältig komponiert, präzise gebaut. Farbe und Form geben dem Inhalt die Hand. Schicht um Schicht trägt er verdünnte Acrylfarbe auf, hat es in der Hand, wann die Körper genug von ihrer Körperhaftigkeit erhalten haben, wann die Dinge als Ding dargestellt sind. Vom Hellen ins Dunkle zieht sich der Arbeitsprozess, aber auch vom Unbunten ins Farbige. Oft bleiben einzelne Ausschnitte schwarz-weiß stehen. In den Gesichtern, der Kleidung, den Sonnenbrillen, manchmal in Getränken, Autos, Haushaltswaren, spiegelt sich der Geist dieser mondänen Zeit, zwischen ihnen aber liegt ein Universum von Gedanken, Erfahrungen, Assoziationen. Von einer „zeitweiligen Aufhebung zeitlicher Schichten“ sei auszugehen, so Michel Foucault über seine archäologische Methode. Die Diskurse zielten meist auf die zeitliche Abfolge von Geschehnissen, hierbei entstünde eine Hierarchie zwischen den zeitlichen Polen, in denen das Neue als Verbesserung, das Vergangene aber als Vorstufe betrachtet werde. Diese Hierarchie verneint auch Aaron Vidal, vieles ist gleichzeitig da, im Leben, im Bild –  dem collagierten Bild liegt zwangsläufig eine Multi Temporalität zu Grunde.  Im ebengleichen Neben-, Über- und Untereinander der Bildelemente ist die Zeitlichkeit aufgehoben. Ebene um Ebene trägt  der Betrachter ab, macht einen Querschnitt durch den Bestand, sichtet, was auf den Seiten zu sehen ist. In der Archäologie beschreibt man mit Befunden alle sichtbaren Strukturen in einem Kontext, mit Funden dagegen all die beweglichen Dinge, die dort vorsichtig zutage befördert werden. Es sind die damals in geringer Auflage und höchster Qualität hergestellten Broschüren der großen Automobilmarken, es sind Fotografien und Werbeanzeigen des legendären LIFE-Magazins, aber es sind auch die Gemälde der klassischen Moderne und Postmoderne, Anklänge an Max Beckmann tauchen ebenso auf wie an Sigmar Polke, Max Ernst oder Kasimir Malewitsch. Zudem weist der Aufbau bisweilen zurück in die Renaissance und die Kunstgeschichte Italiens. Dazwischen, und das ist es, was die Geschichten auf den Bildern zusammenhält, ist das Persönliche, das Interesse des Malers, das sich nicht direkt vermittelt, aber die Welt im Innersten zusammenhält. Man findet seinen eigenen Weg durch diese Welt, verdichtet zu einem persönlichen Befund, einem Substrat.

Galerie Best  /  Künstler A-Z  /  Current Page